Rezension: Alles Licht, das wir nicht sehen ~ Anthony Doerr

Rezension: Alles Licht, das wir nicht sehen ~ Anthony Doerr

Ein Buch, das das Herz berührt, mit liebenswerten Protagonisten, Physik und einem außergewöhnlichem Schreibstil.

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Worum geht’s?

Dieses Buch erzählt das Leben von zwei Jugendlichen, die in der Zeit des zweiten Weltkriegs aufwachsen. Werner, ein physikbegeisterter Waise aus Deutschland, der in einem trostlosen Bergbaugebiet groß wurde, wird in der Wehrmacht eingesetzt und Marie-Laure, eine blinde, wissbegierige Französin, flüchtet mit ihrem Vater, der sich liebevoll um sie kümmert, vom besetzten Paris nach Saint-Malo. Im Laufe des Kriegsgeschehens kreuzen sich die Lebenswege der beiden für einen besonderen Augenblick.


Verlag: btb Verlag  | ISBN: 3442749859 | Preis: 11€| Einzelband | Seiten: 528| hier deutschsprachige Ausgabe |


Dieses Buch hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich habe weinen müssen, grinsen müssen und habe die Protagonisten so sehr in mein Herz geschlossen, dass ich sie nicht mehr gehen ließ: Ich habe das Buch gleich noch einmal von vorne begonnen. 😀

Die Protagonisten Werner und Marie-Laure sind beide unglaublich echt, mit Ecken und Kanten. Man lernt sie wirklich kennen, da das Buch fast das komplette Leben von Beiden erzählt. Normalerweise gibt es immer irgendeinen Protagonisten, der mich wenigstens ein bisschen nervt, weshalb ich mich immer auf die Kapitel aus der Sicht des anderen Protagonisten freue. Hier habe ich jede Seite genossen.

Werner mochte ich sehr gerne, da ich ein großer Fan der Naturwissenschaften bin, und auch er sich sehr dafür begeistert. So konnte ich auch etwas lernen, wenn aus seiner Sicht erzählt wurde. Bei Marie-Laure war es nicht groß anders. Ihr Vater arbeitet im Pariser Museum, wodurch Marie-Laure zu einem wissbegierigen Mädchen erzogen wurde. Außerdem ist sie mit sechs Jahren blind geworden. Deshalb erfährt man bei den Kapiteln aus ihrer Sicht, was sie riecht, hört und fühlt, nicht was sie sieht. Das ist eine ganz andere Art des Lesens und auf besondere Weise auch faszinierend.

2017-15-3--17-24-25Aber es ist keine Tapferkeit. Ich habe keine Wahl. Ich wache auf und lebe mein Leben. (Seite 462, Anthony Doerr)

Die Geschichte springt immer wieder zwischen zwei Zeiten im Leben der Hauptfiguren hin und her. Einmal die Kindheit und das Älterwerden, bis zum Krieg, und einmal fast schon zu Kriegsende. Die Kapitel sind alle sehr kurz, vielleicht zwei bis fünf Seiten lang. Dadurch hatte ich das Gefühl, die ganze Zeit weiterlesen zu müssen. Schließlich sind die Kapitel so kurz, da kann man schon mal sagen: „Nur noch ein Kapitel“ (Und noch eins, und noch eins, und noch eins.)

Wie vorhin schon erwähnt spielt die Wissenschaft in der Geschichte auch eine Rolle. Was aber auch noch einen großen Bestandteil in Marie-Laures Leben einnimmt, sind ihre Bücher. Trotz dem, dass sie blind ist, liest sie unglaublich gerne. So liest sie – vor allem Jules Verne – in Blindenschrift. Aus diesem Grund wird im ganzen Buch sehr viel aus „20000 Meilen unter dem Meer“ zitiert, was mich total gefreut hat.

Als ich das Buch kaufte, dachte ich es wäre eine Art Liebesgeschichte, die während dem zweiten Weltkrieg spielt. Was ich noch nicht wusste, war, dass es sich kaum mit romantischer Liebe befasst, sondern eher mit der Liebe zur Familie, zu Freunden, zu seiner Leidenschaft, zu seinem Land.

Diese ganzen Ereignisse finden vor den Kulissen des zweiten Weltkrieges statt, was der Autor sehr gut abgehandelt hat. Durch diese geschichtlichen Aspekte habe ich auch etwas dazugelernt. Ich habe das Gefühl, am Schicksal der beiden Protagonisten mehr über den Krieg gelernt zu haben, als in allen Jahren in der Schule, am trockenen Geschichtsbuchtext. Man erfährt wie der Krieg einerseits auf der Seite der Deutschen war, gleichzeitig aber auch, wie es den Franzosen (und den Menschen in Russland) erging.

Der Schreibstil von Anthony Doerr ist, meiner Meinung nach, wunderschön. Er benutzt viele Metaphern und schreibt sehr ehrlich. Die Figuren, die er geschaffen hat (Protagonisten sowie sämtliche Nebenfiguren) sind allesamt sehr authentisch und wie aus dem realen Leben gegriffen.

2017-15-3--17-24-25Als wäre die Stadt zu einer Bibliothek voller Bücher in einer unbekannten Sprache geworden, […] unlesbar, das Licht verloschen. (Seite 347, Anthony Doerr)

Fazit:

Dass dieses Buch nun zu meinen Lieblingen gehört, kann man wohl schon aus der Rezension herauslesen. Die Figuren sind alle sehr authentisch, der Schreibstil wunderschön. Die Protagonisten habe ich beide sehr in mein Herz geschlossen. Außerdem hat der Autor die geschichtlichen Aspekte sehr gut behandelt.

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12 Gedanken zu “Rezension: Alles Licht, das wir nicht sehen ~ Anthony Doerr

  1. Liebe Denise,
    Oh wow, das Buch klingt so schön. Und aus deiner Rezension kann man in jeder Zeile herauslesen, wie begeistert du von dem Buch bist. Zum Glück steht dieses Buch schon in meinem Regal, sonst müsste ich jetzt sofort losrennen, um es zu kaufen. 😀 Ich hoffe ich komme bald dazu, mit der Lektüre zu beginnen. Deine Rezension hat mir auf jeden Fall richtig Lust auf das Buch gemacht. Danke dafür. 🙂
    Liebe Grüße, Julia

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Denise!

    Ich liebe dieses Buch und freue mich immer Rezensionen von ebenso begeisterten Lesern zu finden. Ich denke gerade das Marie-Laure blind ist und uns die Welt durch ihre „blinden“ Augen sehen lässt, macht die Geschichte so intensiv.
    Besonders gut hat mir auch die kleine Miniaturstadt gefallen und die Beschreibungen, wenn sich Marie Laure da durchtastet.
    Liebe Grüße
    Sabrina

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Sabrina,
      dieses Buch ist einfach ein wahrer Schatz. Die Miniaturstadt fand ich auch zauberhaft, und wie der Autor trotz dem, dass Marie-Laure blind ist, durch ihren Tastsinn alles so beschreiben konnte, als könnte sie es sehen – ich bewundere ihn sehr dafür! 🙂
      Liebste Grüße,
      Denise

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